Zweite Fachtagung "Psychische Belastungen im Beruf"
Denken und Fühlen stark belastet
„Die psychischen und sozialen Belastungen spielen in der modernen Arbeitswelt zunehmend eine zentrale Rolle“. Dies berichtete Dr. Eleftheria Lehmann vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit NRW in Düsseldorf in ihrem Grußwort auf der zweiten Fachtagung in Bad Münstereifel.„Psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ und deren Folgen rücken immer mehr in den Blickpunkt der Arbeitsschützer. Auf der Fachtagung „Psychische Belastungen im Beruf“ diskutierten am 16. und 17. Juni 2011 Experten aus Forschung und Praxis überbetriebliche Faktoren, betriebliche Aspekte, Beanspruchungsfolgen und den Umgang mit psychischen Belastungen.
Dr. Eleftheria Lehmann unterstrich in ihrem Grußwort, dass „die psychischen und sozialen Belastungen sich nicht durch technische Schutzmaßnahmen, Aufklärung und Unterweisung der Beschäftigten oder Tragen persönlicher Schutzausrüstung beherrschen lassen. Sie wirken sich erheblich auch auf das Denken, Fühlen und Verhalten in der Freizeit aus.“
So sei es nicht verwunderlich, dass die Anforderungen und Belastungen bei der Arbeit und in der Freizeit krank machen können. Dr. Eleftheria Lehmann stützte sich dabei auf eine Erhebung des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit NRW aus dem Jahr 2008. Danach nannten die Befragten neben Rücken- und Gelenkbeschwerden besonders häufig Beschwerdebilder, die in den Bereich der psychischen Beanspruchungsfolgen fallen:
• Erschöpfung als Auswirkung der Arbeit gaben 48 Prozent an
• Wut und Verärgerung 47 Prozent
• Nicht abschalten können 43 Prozent
• Lustlosigkeit und ausgebrannt zu sein 39 Prozent
Die Referenten und Tagungsteilnehmer betonten in ihren Beiträgen unter anderem, wie wichtig eine aktive Freizeitgestaltung mit der Familie oder mit Freunden sowie Gespräche im privaten Bereich seien, um die negativen Auswirkungen der Arbeit abzufedern.
Auch für den betrieblichen Bereich gibt es vielfältige Ansatzpunkte, um zum Beispiel Stress zu vermeiden oder die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten und zu stärken. So erläuterte beispielsweise Stephan Rohn, Leiter des Fachbereichs „Neue Formen der Arbeit/Demografischer Wandel“ der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), in seinem Referat, dass die „Arbeitsfähigkeit älterer Beschäftigter nicht zwangsläufig mit zunehmendem Alter nachlässt, aber sie wandelt sich.“ Die Unternehmen müssten sich auf den demografischen Wandel einstellen, indem sie unter anderem ihre Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung erweitern, die Arbeitsplätze ergonomischer und altersgerecht gestalten oder auch Weiterbildungs-Angebote für die Führungskräfte und die Beschäftigten anbieten.
Die Referenten und Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass psychische Belastungen per se nicht negativ sind, aber wenn aus Belastungen Fehlbelastungen werden, dann drohen unter Umständen körperliche und psychische Krankheiten.
Hier sei auch der Beschäftigte selbst gefordert, den wachsenden psychischen Belastungen angemessen zu begegnen. Dazu zählt zum Beispiel die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen, keine Geschäfts-E-Mails im Urlaub abzurufen, die Verwässerung von Beruflichem mit Privatem zu minimieren sowie die „innere Einstellung“ zu überdenken. Oder wie es die Diplom-Psychologin und Referentin Frau Sonja Berger von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) ausdrückte: „Belastungen bewältigen – der innere Prozess ist der Unterschied, der den Unterschied ausmacht.“

Die Fachtagung wurde in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM), dem Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) sowie dem Universum Verlag arrangiert. Rund 100 Teilnehmer aus Wirtschaft, Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Verwaltung besuchten die Bildungsstätte der BG ETEM.
Im nächsten Jahr wird es eine weitere Fachtagung zum Thema „Psychische Belastungen im Beruf“ in Bad Münstereifel geben. Die diesjährigen Abstracts und Folien der Referenten können Sie unter www.universum.de/fachtagung abrufen. Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter anderem auf den Websites der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), beim Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit NRW sowie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM).
Quelle: UV